“Die Dramatik der Situation hat uns geholfen, die Balance zwischen Suspense und Comedy zu halten.”
Wenn Du an die Dreharbeiten zu Neues vom Wixxer zurückdenkst: Was wird ganz sicher in Erinnerung bleiben?
Wir waren ein sehr harmonisches Team und die Arbeit hat unglaublichen Spaß gemacht! Wir haben uns gegenseitig wahnsinnig aufgestachelt, um diese kleine Komödie zu wuppen. Das ist nicht bei jeder Komödie voraussetzbar. Ja, und die optischen Details unseres Szenenbildners Matthias Müsse haben selbst uns überrascht. Unvergesslich der erste Drehtag mit Joachim Fuchsberger. Ganz große Freude meinerseits übrigens, dass er uns zugesagt hatte! Der mehrmalige Inspektor der Originalfilme ging durch unsere Sets in Prag, und in seinen Augen erschien eine Art „Edgar Wallace-Glanz“. Er erkannte unzählige Details, staunte: „Dieses Büro sieht ja exakt so aus, wie in Die toten Augen von London!“
Ach ja, und dann hatten Kalkofe und ich eine Szene in einem Ruderboot. Als wir die schrieben, war uns nicht so präsent, dass wir neben sehr, sehr vielen anderen Dingen auch nicht Rudern können. Es wurde dunkel, bis wir gleichmäßig durchs Bild gepaddelt sind, ohne auszusehen wie Dreijährige.
Viele der alten Wallace-Helden hast Du im Kino und TV selbst gar nicht mehr erlebt. Wie hast Du Dich ihnen angenähert?
Ich bin erst 2001 auf Wallace-Filme gestoßen, als wir mit dem ersten Wixxer begonnen haben. Kalkofe und Welke sind ja – das möchte ich hier noch mal in aller Deutlichkeit festhalten – sehr viel älter als ich. Die beiden kannten die Filme schon aus ihrer Kindheit. Ich musste da einiges nachholen. Die Filme entwickelten auf mich eine solche Sogwirkung, dass ich am Ende alle gesehen habe. Ich habe dann richtig Buch geführt. Daraus ist eine kleine Recherchebibel entstanden, die wir sowohl beim ersten als auch beim zweiten Teil immer wieder zu Rate gezogen haben.
Was macht den Charme der alten Filme aus für jemanden, der nicht mit ihnen aufgewachsen ist?
Die guten Filme der Reihe wirken noch immer durch die erstklassigen Schauspieler, das Tempo und den Reiz des „Whodunit“-Krimis: Ich darf raten, wer von den vielen Verdächtigen der Oberschurke ist und wie er das gemacht hat. Und dabei werde ich als Zuschauer immer wieder hübsch geleimt. Die Tätersuche gestaltet sich mal spannend, mal gruselig und in manchen Momenten sogar sehr humorvoll. Der Hexer und Neues vom Hexer sind zum Beispiel zwei der besten Filme der Serie.
Neues vom Wixxer bedient sich ein bisschen aus dem Oeuvre des deutschen 60er-Jahre-Kino-Krimis und diejenigen, die die Originalfilme kennen, werden genug Details wiedererkennen. Dennoch wollen wir auch den „Neueinsteigern“ etwas bieten und setzen daher nicht zwangsläufig Kenntnisse voraus. In den späten 70ern und den frühen 80ern liefen die Wallace-Filme erstmals im Deutschen Fernsehen – und wurden so auch einer neuen Zuseher-Generation bekannt, nämlich den in den späten 60er und frühen 70ern Geborenen; sprich: meiner Generation. Wenn man die Filme heute schaut, ist es eigentlich pure Nostalgie. Man guckt immer ein sehr vergangenes Stück deutsches Kino. Auch wenn die Reihe komplett in England spielen sollte, scheint mir nichts Urdeutscher als die Edgar Wallace-Filme. Man sieht die Topgarde des deutschen Films: Lil Dagover, Fritz Rasp, Marianne Hoppe – das waren ja noch UFA-Stars! Und auch die größten Stars der damals neuen Riege haben mitgemacht. Eddi Arent, Klaus Kinski, Harry Meyen, Harald Leipnitz, Horst Tappert, Heinz Drache, Karin Dor. Und alle haben so getan, als hießen sie „Harry“, „Linda“ oder „John“ und als würde das Ganze in London spielen. Dabei stand das „Gasthaus an der Themse“ erwiesenermaßen an der Elbe. So konsequent sind heute nur noch die „Rosamunde Pilcher“-Filme.
Die Wallace-Filme dagegen hatten ja auch immer eine ironisierende Ebene. Überdeutlich rätselhafte bis bizarre Superschurken, die sich hinter einer Maske verbergen, zwielichtige Handlanger und allwissende Inspektoren, die immer cleverer sind als die Bösen. Knarrende Türen, wehende Vorhänge und Schritte im dunklen Gang. Gespielt von einer großen Schar beliebter Komiker und Schauspieler und am Schluss eine dicke Überraschung mit Happy End. Und diese Elemente haben wir versucht, in Neues vom Wixxer zu erhalten.
Meinst Du wirklich, die Filme hatten damals schon eine bewusst ironische Ebene?
Sowohl Blacky Fuchsberger als auch Wolfgang Völz, die in der Originalserie dabei waren, erzählten uns, dass sie damals diese Filme sehr ernst genommen haben. Und damit auch den Humor der Filme. Nehmen Sie Eddi Arent: Bei dem sieht man genau, wie akribisch der sich auf seine kleinen Bonmots vorbereitet hat. Er durfte ja alle halbe Stunde so einen kleinen Comedy-Glanzauftritt hinlegen. Man hat eben damals entschieden: Wir machen es richtig spannend. Hin und wieder aber auch richtig lustig. Da wäre heute bei vielen Filmmachern die Schere im Kopf aufgegangen und sie würden sagen: Wir müssen uns vorher festlegen, ob wir Krimi oder Komödie machen. Bei den guten Wallace-Filmen waren diese Grenzen damals kurzzeitig aufgehoben.
Doch früher wurde vieles spontaner und unschuldiger produziert: Für Neues vom Wixxer brauchten wir 2 Jahre Vorbereitung, drei Monate Drehzeit und noch mal ein knappes Jahr für die abschließende Postproduktion. Die Wallace-Kurbler haben ihren Film im Januar geschrieben, im Mai gedreht und im August ins Kino gebracht. In den Glanz-Jahren der Wallace-Filme `62 bis `65 war alle vier bis fünf Monate ein neuer Streifen im Kino. Die haben unglaublich geschuftet und nur deshalb konnte es eine solche Wallace-Welle geben.
Sprechen wir über Deine Rolle: Wie hat sich Very Long seit dem ersten Teil entwickelt, was erfahren die Zuschauer Neues über ihn?
Very und Even sind schon im ersten Teil als ungewöhnliches Ermittlerpaar aufgefallen: Chief Even Longer ist der knurrige, anstrengende und sauertöpfische Alt-Inspektor, der sich grämt, dass sein ehemaliger Partner Rather Short auf die dunkle Seite der Londoner Unterwelt gewechselt, sprich: zum Wixxer geworden ist und Even in tödliche Gefahr gebracht hat. Evens neuer Partner wurde zu Beginn des ersten Teils Inspektor Very Long: Ein Neuling, der zwar als Bester die Polizeischule verlassen hat, aber den Chief Inspector mit seiner übertriebenen Freundlichkeit und Harmoniesucht gewaltig nervt. Die zwei mussten sich aneinander gewöhnen. Very ist ein guter Polizist, immer höflich, erschreckend gut gelaunt und er weiß bereits nur zu gut, dass seinem launischen Chief mitunter das Fingerspitzengefühl fehlt. Und genau in dem Punkt steht er ihm jetzt zur Seite: Er zeigt Even, dass man auch mal mit einem Lächeln eine Situation entkrampfen kann, dass ein angenehmes Äußeres kein Zeichen von Schwäche ist. Very ist eben ein Perfektionist, der auf Etikette achtet und sich einen genauso perfekten Chief Inspector an seiner Seite wünscht. Even aber ist ein Einzelkämpfer, ein Mann der Tat, nicht des Wortes, und daher knallt es hin und wieder zwischen Very und Even.
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Doch Very hat diesmal noch ein anderes Problem: Der neue Wixxer hat ihn auf seine Todesliste gesetzt. Schon am nächsten Morgen soll Very nicht mehr leben. Das ist für den routinierten Inspektor natürlich ein Schock. Doch er muss sich selbst helfen, denn Even kann ihn nicht rund um die Uhr beschützen, weil auch die Frau, die er liebt, die junge Adelige Victoria Dickham, auf der Todesliste steht. Very muss diesmal um sein Leben, aber auch um den Respekt seines Chefs kämpfen – und speziell letzteres fällt ihm natürlich extrem schwer…
Aber er punktet ja mächtig damit, dass er seinem verliebten Chef einen Crashkurs in guten Manieren und Lifestyle gibt…
Er tut wie von Sinnen alles, um sich bei seinem Chief Inspector Even Longer gut zu stellen. Damit dieser ihn endlich beachtet und ihm hilft. Und deshalb erklärt er ihm den Sinn von Höflichkeit, Rückenenthaarung sowie der Kreisbewegung beim Zähneputzen. Es ist natürlich – wie in jeder guten Komödie – aber auch wie in jedem guten Edgar Wallace Film – eine auswegs- und hoffnungslose Situation. Aber: Dass die beiden sich in Lebensgefahr Stylingtipps geben, ist einer der witzigsten Momente in unserem Film geworden.
Woher hat Very diese Sicherheit in Stilfragen?
Ich glaube, er ist insgeheim zumindest ein Halbadliger. Und wahrscheinlich hat er neben der Polizeischule auch noch eine Hauswirtschaftsschule besucht. Auf jeden Fall ist er der Meinung, dass der moderne Inspektor von heute ein gepflegtes Äußeres haben und Gentleman sein sollte. Damit ist er natürlich die denkbar falscheste Person für den Polizeidienst – aber das weiß er ja zum Glück nicht.
Kommen wir zur Arbeit am Drehbuch. Eigentlich heißt es ja „Viele Köche verderben den Brei“. Drei Autoren sind reichlich viele Köche – wieso schmeckt dieser Brei trotzdem?
Das Gute ist: Wir sind immer einer zu viel – aber das ist jeweils ein anderer von uns dreien. Wir sind sehr oft unterschiedlicher Auffassung, aber wir sind immer in der Lage, einen Konsens herzustellen. Ich glaube, wir sind relativ geschmackssicher und in der Lage, die Qualität unserer Texte und Ideen gleich einzuschätzen. Wir können uns beim Schreiben nicht immer gegenseitig glücklich machen, aber wir wissen auch, dass es am Ende keine „Bauchschmerzen-Stellen“ mehr im Drehbuch gibt, das wir vorlegen. Olli und Olli sind so unglaublich fantasievoll beim Erschaffen von Szenen und Dialogen, dass immer genug Ideen im Raum sind, die wir durchdenken können. Ich versuche die Abläufe und Beschreibungen nicht aus den Augen zu verlieren, bin also ähnlich wie der dritte Detektiv der DREI „???“ („Drei Fragezeichen“) verantwortlich für Recherche und Archiv. Und ich muss zu allem immer wertvolle Skizzen zeichnen und die auftauchenden Figuren in einem farbigen Diagramm zusammenfassen. Und das ist exakt der Teil der Arbeit, der uns überhaupt nicht weiterhilft.
Gibt es bei Kalkofe, Welke und Pastewka ein ganz ähnliches Humorverständnis? Oder wo liegen die Unterschiede?
Unser Humorverständnis ist sehr groß, weil wir viel Komisches aus Film und Fernsehen kennen. Das Schwerste ist für uns eigentlich, sich von bekannten Vorbildern zu lösen. Denn wir wissen, dass wir uns selber verpflichtet sind, einen Film zu machen, der eben nur zu uns passen darf. Deshalb laufen wir manchmal Gefahr, die Szenen größer, opulenter und noch verrückter machen zu wollen, als die Wixxer-Welt erfordert. Wallace ist nicht Hollywood, Long und Longer können nicht wie bei 24 innerhalb von fünf Minuten einen Helikopter herbeirufen wie Jack Bauer mit seinem blöden piepsenden Handy, während im Gefängnis eine Meuterei stattfindet und ein Killervirus ein Krankenhaus lahm legt. So etwas gibt es in der kleinen Wallace-Welt noch nicht! Dort gibt es Anrufer, die ihre Stimmen verstellen und einen unter die Tür geklemmten Stuhl, der den Gegner 5 Minuten aufhält. Wir haben diesen Unterschied übrigens gleich zu Beginn von Neues vom Wixxer deutlich klargemacht. Und wenn Kalkofe, Welke oder ich aus Versehen wieder zu Jack Bauer mutieren, sind wir glücklicherweise immer in der Lage, die eine oder andere Riesenidee von gestern heute ganz einfach zu verwerfen.
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Wie entgeht man als Autor der Versuchung, die eigene Rolle immer ein bisschen schöner, größer und glamouröser zu gestalten?
Durch die Betrachtung von außen. Neues vom Wixxer ist wieder ein Ensemble-Film. Also brauchen unsere 10 Hauptfiguren genug Spielraum. Dennoch haben wir die Rollen von Long und Longer klarer gezeichnet als im ersten Teil. Wir haben gemerkt, dass die Zuschauer den Inspektoren folgen, weil die nun mal den Fall zusammenhalten. Daher haben wir Even und Very mehr gemeinsam erleben lassen.
Was sonst habt ihr aus dem ersten Wixxer gelernt?
Mit der Humorfarbe sind wir beim ersten Film genauso zufrieden wie beim zweiten. Wir haben uns diesmal einen übersichtlicheren Krimiplot geschaffen. Der Wixxer droht eine Reihe von Morden an. Und wir müssen ganz schnell klären, wer diese Personen sind und wie wir sie schützen können.
Interview mit Bastian Pastewka
“Die Dramatik der Situation hat uns geholfen, die Balance zwischen Suspense und Comedy zu halten.”
Wenn Du an die Dreharbeiten zu Neues vom Wixxer zurückdenkst: Was wird ganz sicher in Erinnerung bleiben?
Wir waren ein sehr harmonisches Team und die Arbeit hat unglaublichen Spaß gemacht! Wir haben uns gegenseitig wahnsinnig aufgestachelt, um diese kleine Komödie zu wuppen. Das ist nicht bei jeder Komödie voraussetzbar. Ja, und die optischen Details unseres Szenenbildners Matthias Müsse haben selbst uns
überrascht. Unvergesslich der erste Drehtag mit Joachim Fuchsberger. Ganz große Freude meinerseits übrigens, dass er uns zugesagt hatte! Der mehrmalige Inspektor der Originalfilme ging durch unsere Sets in Prag, und in seinen Augen erschien eine Art „Edgar Wallace-Glanz“. Er erkannte unzählige Details, staunte: „Dieses Büro sieht ja exakt so aus, wie in Die toten Augen von London!“
Ach ja, und dann hatten Kalkofe und ich eine Szene in einem Ruderboot. Als wir die schrieben, war uns nicht so präsent, dass wir neben sehr, sehr vielen anderen Dingen auch nicht Rudern können. Es wurde dunkel, bis wir gleichmäßig durchs Bild gepaddelt sind, ohne auszusehen wie Dreijährige.
Viele der alten Wallace-Helden hast Du im Kino und TV selbst gar nicht mehr erlebt. Wie hast Du Dich ihnen angenähert?
Ich bin erst 2001 auf Wallace-Filme gestoßen, als wir mit dem ersten Wixxer begonnen haben. Kalkofe und Welke sind ja – das möchte ich hier noch mal in aller Deutlichkeit festhalten – sehr viel älter als ich. Die beiden kannten die Filme schon aus ihrer Kindheit. Ich musste da einiges nachholen. Die Filme entwickelten auf mich eine solche Sogwirkung, dass ich am Ende alle gesehen habe. Ich habe dann richtig Buch geführt. Daraus ist eine kleine Recherchebibel entstanden, die wir sowohl beim ersten als auch beim zweiten Teil immer wieder zu Rate gezogen haben.
Was macht den Charme der alten Filme aus für jemanden, der nicht mit ihnen aufgewachsen ist?
Die guten Filme der Reihe wirken noch immer durch die erstklassigen Schauspieler, das Tempo und den Reiz des „Whodunit“-Krimis: Ich darf raten, wer von den vielen Verdächtigen der Oberschurke ist und wie er
das gemacht hat. Und dabei werde ich als Zuschauer immer wieder hübsch geleimt. Die Tätersuche gestaltet sich mal spannend, mal gruselig und in manchen Momenten sogar sehr humorvoll. Der Hexer und Neues vom Hexer sind zum Beispiel zwei der besten Filme der Serie.
Neues vom Wixxer bedient sich ein bisschen aus dem Oeuvre des deutschen 60er-Jahre-Kino-Krimis und diejenigen, die die Originalfilme kennen, werden genug Details wiedererkennen. Dennoch wollen wir auch den „Neueinsteigern“ etwas bieten und setzen daher nicht zwangsläufig Kenntnisse voraus. In den späten 70ern und den frühen 80ern liefen die Wallace-Filme erstmals im Deutschen Fernsehen – und wurden so auch einer neuen Zuseher-Generation bekannt, nämlich den in den späten 60er und frühen 70ern Geborenen; sprich: meiner Generation. Wenn man die Filme heute schaut, ist es eigentlich pure Nostalgie. Man guckt immer ein sehr vergangenes Stück deutsches Kino. Auch wenn die Reihe komplett in England spielen sollte, scheint mir nichts Urdeutscher als die Edgar Wallace-Filme. Man sieht die Topgarde des deutschen Films: Lil Dagover, Fritz Rasp, Marianne Hoppe – das waren ja noch UFA-Stars! Und auch die größten Stars der damals neuen Riege haben mitgemacht. Eddi Arent, Klaus Kinski, Harry Meyen, Harald Leipnitz,
Horst Tappert, Heinz Drache, Karin Dor. Und alle haben so getan, als hießen sie „Harry“, „Linda“ oder „John“ und als würde das Ganze in London spielen. Dabei stand das „Gasthaus an der Themse“ erwiesenermaßen an der Elbe. So konsequent sind heute nur noch die „Rosamunde Pilcher“-Filme.
Die Wallace-Filme dagegen hatten ja auch immer eine ironisierende Ebene. Überdeutlich rätselhafte bis bizarre Superschurken, die sich hinter einer Maske verbergen, zwielichtige Handlanger und allwissende Inspektoren, die immer cleverer sind als die Bösen. Knarrende Türen, wehende Vorhänge und Schritte im dunklen Gang. Gespielt von einer großen Schar beliebter Komiker und Schauspieler und am Schluss eine dicke Überraschung mit Happy End. Und diese Elemente haben wir versucht, in Neues vom Wixxer zu erhalten.
Meinst Du wirklich, die Filme hatten damals schon eine bewusst ironische Ebene?
Sowohl Blacky Fuchsberger als auch Wolfgang Völz, die in der Originalserie dabei waren, erzählten uns, dass sie damals diese Filme sehr ernst genommen haben. Und damit auch den Humor der Filme. Nehmen Sie Eddi Arent: Bei dem sieht man genau, wie akribisch der sich auf seine kleinen Bonmots vorbereitet hat. Er durfte ja alle halbe Stunde so einen kleinen Comedy-Glanzauftritt hinlegen. Man hat eben damals entschieden: Wir machen es richtig spannend. Hin und wieder aber auch richtig lustig. Da wäre heute bei vielen Filmmachern die Schere im Kopf aufgegangen und sie würden sagen: Wir müssen uns vorher festlegen, ob wir Krimi oder Komödie machen. Bei den guten Wallace-Filmen waren diese Grenzen damals kurzzeitig aufgehoben.
Doch früher wurde vieles spontaner und unschuldiger produziert: Für Neues vom Wixxer brauchten wir 2 Jahre Vorbereitung, drei Monate Drehzeit und noch mal ein knappes Jahr für die abschließende Postproduktion. Die Wallace-Kurbler haben ihren Film im Januar geschrieben, im Mai gedreht und im August ins Kino gebracht. In den Glanz-Jahren der Wallace-Filme `62 bis `65 war alle vier bis fünf Monate ein neuer Streifen im Kino. Die haben unglaublich geschuftet und nur deshalb konnte es eine solche Wallace-Welle geben.
Sprechen wir über Deine Rolle: Wie hat sich Very Long seit dem ersten Teil entwickelt, was erfahren die Zuschauer Neues über ihn?
Very und Even sind schon im ersten Teil als ungewöhnliches Ermittlerpaar aufgefallen: Chief Even Longer ist der knurrige, anstrengende und sauertöpfische Alt-Inspektor, der sich grämt, dass sein ehemaliger Partner Rather Short auf die dunkle Seite der Londoner Unterwelt gewechselt, sprich: zum Wixxer geworden ist und Even in tödliche Gefahr gebracht hat. Evens neuer Partner wurde zu Beginn des ersten Teils Inspektor Very Long: Ein Neuling, der zwar als Bester die Polizeischule verlassen hat, aber den Chief Inspector mit seiner übertriebenen Freundlichkeit und Harmoniesucht gewaltig nervt. Die zwei mussten sich aneinander gewöhnen. Very ist ein guter Polizist, immer höflich, erschreckend gut gelaunt und er weiß bereits nur zu gut, dass seinem launischen Chief mitunter das Fingerspitzengefühl fehlt. Und genau in dem Punkt steht er ihm jetzt zur Seite: Er zeigt Even, dass man auch mal mit einem Lächeln eine Situation entkrampfen kann, dass ein angenehmes Äußeres kein Zeichen von Schwäche ist. Very ist eben ein Perfektionist, der auf Etikette achtet und sich einen genauso perfekten Chief Inspector an seiner Seite wünscht. Even aber ist ein Einzelkämpfer, ein Mann der Tat, nicht des Wortes, und daher knallt es hin und wieder zwischen Very und Even.
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Doch Very hat diesmal noch ein anderes Problem: Der neue Wixxer hat ihn auf seine Todesliste gesetzt. Schon am nächsten Morgen soll Very nicht mehr leben. Das ist für den routinierten Inspektor natürlich ein Schock. Doch er muss sich selbst helfen, denn Even kann ihn nicht rund um die Uhr beschützen, weil auch die Frau, die er liebt, die junge Adelige Victoria Dickham, auf der Todesliste steht. Very muss diesmal um sein Leben, aber auch um den Respekt seines Chefs kämpfen – und speziell letzteres fällt ihm natürlich extrem schwer…
Aber er punktet ja mächtig damit, dass er seinem verliebten Chef einen Crashkurs in guten Manieren und Lifestyle gibt…
Er tut wie von Sinnen alles, um sich bei seinem Chief Inspector Even Longer gut zu stellen. Damit dieser ihn endlich beachtet und ihm hilft. Und deshalb erklärt er ihm den Sinn von Höflichkeit, Rückenenthaarung sowie der Kreisbewegung beim Zähneputzen. Es ist natürlich – wie in jeder guten Komödie – aber auch wie in jedem guten Edgar Wallace Film – eine auswegs- und hoffnungslose Situation. Aber: Dass die beiden sich in Lebensgefahr Stylingtipps geben, ist einer der witzigsten Momente in unserem Film geworden.
Woher hat Very diese Sicherheit in Stilfragen?
Ich glaube, er ist insgeheim zumindest ein Halbadliger. Und wahrscheinlich hat er neben der Polizeischule auch noch eine Hauswirtschaftsschule besucht. Auf jeden Fall ist er der Meinung, dass der moderne Inspektor von heute ein gepflegtes Äußeres haben und Gentleman sein sollte. Damit ist er natürlich die denkbar falscheste Person für den Polizeidienst – aber das weiß er ja zum Glück nicht.
Kommen wir zur Arbeit am Drehbuch. Eigentlich heißt es ja „Viele Köche verderben den Brei“. Drei Autoren sind reichlich viele Köche – wieso schmeckt dieser Brei trotzdem?
Das Gute ist: Wir sind immer einer zu viel – aber das ist jeweils ein anderer von uns dreien. Wir sind sehr oft unterschiedlicher Auffassung, aber wir sind immer in der Lage, einen Konsens herzustellen. Ich glaube, wir sind relativ geschmackssicher und in der Lage, die Qualität unserer Texte und Ideen gleich einzuschätzen. Wir können uns beim Schreiben nicht immer gegenseitig glücklich machen, aber wir wissen auch, dass es am Ende keine „Bauchschmerzen-Stellen“ mehr im Drehbuch gibt, das wir vorlegen. Olli und Olli sind so unglaublich fantasievoll beim Erschaffen von Szenen und Dialogen, dass immer genug Ideen im Raum sind, die wir durchdenken können. Ich versuche die Abläufe und Beschreibungen nicht aus den Augen zu verlieren, bin also ähnlich wie der dritte Detektiv der DREI „???“ („Drei Fragezeichen“) verantwortlich für Recherche und Archiv. Und ich muss zu allem immer wertvolle Skizzen zeichnen und die auftauchenden Figuren in einem farbigen Diagramm zusammenfassen. Und das ist exakt der Teil der Arbeit, der uns überhaupt nicht weiterhilft.
Gibt es bei Kalkofe, Welke und Pastewka ein ganz ähnliches Humorverständnis? Oder wo liegen die Unterschiede?
Unser Humorverständnis ist sehr groß, weil wir viel Komisches aus Film und Fernsehen kennen. Das Schwerste ist für uns eigentlich, sich von bekannten Vorbildern zu lösen. Denn wir wissen, dass wir uns selber verpflichtet sind, einen Film zu machen, der eben nur zu uns passen darf.
Deshalb laufen wir manchmal Gefahr, die Szenen größer, opulenter und noch verrückter machen zu wollen, als die Wixxer-Welt erfordert. Wallace ist nicht Hollywood, Long und Longer können nicht wie bei 24 innerhalb von fünf Minuten einen Helikopter herbeirufen wie Jack Bauer mit seinem blöden piepsenden Handy, während im Gefängnis eine Meuterei stattfindet und ein Killervirus ein Krankenhaus lahm legt. So etwas gibt es in der kleinen Wallace-Welt noch nicht! Dort gibt es Anrufer, die ihre Stimmen verstellen und einen unter die Tür geklemmten Stuhl, der den Gegner 5 Minuten aufhält. Wir haben diesen Unterschied übrigens gleich zu Beginn von Neues vom Wixxer deutlich klargemacht. Und wenn Kalkofe, Welke oder ich aus Versehen wieder zu Jack Bauer mutieren, sind wir glücklicherweise immer in der Lage, die eine oder andere Riesenidee von gestern heute ganz einfach zu verwerfen.
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Wie entgeht man als Autor der Versuchung, die eigene Rolle immer ein bisschen schöner, größer und glamouröser zu gestalten?
Durch die Betrachtung von außen. Neues vom Wixxer ist wieder ein Ensemble-Film. Also brauchen unsere 10 Hauptfiguren genug Spielraum. Dennoch haben wir die Rollen von Long und Longer klarer gezeichnet als im ersten Teil. Wir haben gemerkt, dass die Zuschauer den Inspektoren folgen, weil die nun mal den Fall zusammenhalten. Daher haben wir Even und Very mehr gemeinsam erleben lassen.
Was sonst habt ihr aus dem ersten Wixxer gelernt?
Mit der Humorfarbe sind wir beim ersten Film genauso zufrieden wie beim zweiten. Wir haben uns diesmal einen übersichtlicheren Krimiplot geschaffen. Der Wixxer droht eine Reihe von Morden an. Und wir müssen ganz schnell klären, wer diese Personen sind und wie wir sie schützen können.