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Produktionsnotizen

Der lange Weg von Bitterfeld nach Blackwhite Castle

Es war ein weiter Weg — nicht nur für die Sachsen von Bitterfeld bis Blackwhite Castle, auch für die Filmemacher von der bloßen Idee zum fertigen Film. Schon im Sommer 2001 führte Produzent Christian Becker erste Gespräche mit Oliver Kalkofe. „Wir saßen beim Italiener und ich hatte außerordentlichen Respekt vor diesem Kalkofe, den ich seit Teenagerzeiten als Fernseh-Fiesling von Premiere kannte“, erzählt Becker: „Nur kein falsches Wort, sonst schüttet er seine berühmten Boshaftigkeiten über dich aus.“ Doch Kalkofe war nicht minder nervös — ging es für ihn doch um die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches: endlich die Edgar-Wallace-Kultfilme seiner Kindheit wieder aufleben zu lassen. Schnell stellte sich heraus, dass hier zwei Menschen zusammen gekommen waren, die die gleiche Idee vom Filmemachen hatten: Groß, schrill, bunt und ohne jeden Ansatz von Respekt. Kalkofe baute mit seinem Plan des Kinofilms DER WIXXER auf dem gleichnamigen Hörspiel auf, das er und Kollege Oliver Welke Mitte der 90er Jahre im radio ffn-“Frühstyxradio“ laufen hatten.

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Becker und Kalkofe waren sich schnell handelseinig: „Nach jahrelangem Warten ging’s endlich los“, erinnert sich Kalkofe. Zusammen mit seinem früheren Mitstreiter Welke sollte er ein Drehbuch erstellen, das man dann verschiedenen Partnern vorführen konnte. Dass die Verantwortlichen seiner damaligen Firma nicht an das Projekt glaubten, scherte Becker nur wenig: Kurzerhand finanzierte er die Drehbuchentwicklung aus eigener Tasche und konnte sie somit später auch als erstes Kinoprojekt in seine neue Firma RATPACK einbringen. Als Begleiterscheinung ihres Script-Deals ließen Becker und Kalkofe die legendäre „Mattscheibe“ wieder aufleben: Pro Sieben nahm die gnadenlose Abrechnung mit der Flut an unerträglichem TV-Wahnwitz 2003 wieder ins Programm und sendet ab 3. Mai 2004 eine weitere Staffel mit zwölf Folgen.

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Im Laufe der Buchentwicklung, zu der sich nach Welke auch noch Bastian Pastewka gesellte, wurde eines sehr schnell klar: Das wird keine kleine Trashkomödie, sondern ein großer Ausstattungsfilm, der reichlich Aufwand und somit auch jede Menge Kohle benötigt.


Rückwirkend sagt Christian Becker: DER WIXXER war immer als großes Projekt geplant.“ Für die Zusammenstellung der Finanzierung bedurfte es folglich mehrerer Finanzierungspartner. „Wir hatten ein sehr gutes Drehbuch, wir hatten ein sehr gutes Konzept, jetzt begann die Suche nach einem engagierten Verleiher“, erzählt Becker heute. Der war schnell gefunden — geradezu enthusiastisch reagierte Andreas Fallscheer auf die Idee, der gerade mit seiner neuen Firma FALCOM MEDIA GROUP AG auf Stoffsuche war. Der Deal war schnell perfekt und Christian Becker und seine Co-Geschäftsführerin Anita Schneider rechnen es Fallscheer hoch an, dass er sich zu einem sehr frühen Zeitpunkt für das Projekt einsetzte und auch entsprechend in Vorleistung ging.

Auf 4.7 Mio. Euro belief sich die Kalkulation des WIXXER-Projekts ein halbes Jahr vor Drehbeginn; es waren noch weitere Partner nötig, um diese enorme Summe auf die Beine zu stellen: Von Beginn an im Boot war David Groenewold mit seinem Medienfonds German Film Productions. Denn immerhin war es Finanzmanager Groenewold, der Kalkofe und Becker zusammen brachte. Becker und Groenewold hatten schon den Pro-Sieben-Erfolg „Das Jesus Video“ zusammen produziert und wollten unbedingt ein weiteres Projekt gemeinsam stemmen. German Film Productions ist der einzige deutsche Medienfonds, der sich ausschließlich mit der Finanzierung deutscher Kino- und TV-Produktionen befasst und war unter anderem auch an der Produktion von „Das Wunder von Lengede“, der Quoten-Legende von SAT.1 beteiligt.

Nach und nach nahm also das Finanzierungskonstrukt konkrete Formen an: Als Förderungen stiegen der FilmFernsehFonds Bayern (500.000 Euro), die FFA (300.000 Euro) sowie das Filmboard Berlin-Brandenburg (175.000 Euro) mit ein. Als weitere Co-Produktionspartner kamen Seven Pictures, die ARRI-nahe B.A. Film sowie die Fondsgesellschaft Novamedia hinzu.

Kreative Seilschaft zwischen München und Köln

Parallel zum finanziellen Teil des Projekts entwickelte sich die kreative Seite. Großen Raum nahm dabei die Auswahl des Regisseurs in Anspruch. Da kam den Machern das sehr gut funktionierende Netzwerk der deutschen Comedy-Branche zugute: Im entscheidenden Augenblick brachte der Co-Autor und schon avisierte Darsteller Bastian Pastewka den Namen Tobi Baumann ins Spiel.

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Im Langfilmbereich noch ein unbeschriebenes Blatt, machte sich der Endzwanziger als Regisseur der Anke-Engelke-Show „Ladykracher“ einen Namen. Dazu Becker: „Tobi wurde uns als stilsicher, effizient und konsequent empfohlen.“ Auch seine sehr konkreten Ideen zu DER WIXXER fanden bei den Produzenten sofort Anklang. Es kam zu einer Zusammenarbeit, die von beiden Seiten gelobt wird und für alle Beteiligten äußerst befruchtende Elemente hatte, wie Baumann nicht müde wird zu erwähnen: „Es trafen sich eine Kölner und eine Münchner Familie, um gemeinsame Sache zu machen.“ In München wurde der junge Regisseur von einem eingespielten Produktionsteam in Empfang genommen: Dramaturgin und RATPACK-Gesellschafterin Catarina Raacke, Line-Producer Simon Happ, Kameramann Gerhard Schirlo und Szenenbildner Matthias Müsse, die alle schon bei verschiedenen Projekten zusammen gearbeitet hatten.

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Aus Köln brachte Baumann seine „Ladykracher“ Anke Engelke und Christoph M. Herbst für zwei Hauptrollen mit. „Mir gab es eine große Sicherheit mit Leuten wie Anke, Bastian und Christoph zu drehen, mit denen ich schon viel gemacht hab“, so Baumann.

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Zu den Comedians gesellten sich mit Thomas Fritsch, Thomas Heinze, Tanja Wenzel, Lars Rudolph, Wolfgang Völz, Eva Ebner und vielen anderen eine Riege ausgewachsener Schauspieler. „Es war eine reizvolle Aufgabe für mich, Comedians und Schauspieler zusammenzuführen“, erzählt Baumann — immerhin handelte es sich bei aller Komik und allem Slapstick um sehr ernsthafte Figuren, auch wenn sie Very Long, Hatler, Miss Drycunt oder Miss Pennymarket heißen.


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Rundum-Betreuung vom Aufwachen bis zum Zubettgehen

„Für alle war es ein schmaler Grat, in der ernsthaften Darstellung ihrer teilweise vollkommen bescheuerten Charaktere nicht ins Klamaukhafte abzustürzen“ sagt Catarina Raacke. Eine bloße Nummernrevue sollte von Anfang an vermieden werden: „Wir erzählen eine eigenständige Geschichte und bedienen uns dabei einiger bekannter Elemente aus den Wallace-Filmen“, so Baumann. Wichtig war dies den Machern schon bei der Entwicklung des Drehbuchs: Story und Humor sollte auch von Zuschauern verstanden werden, die nicht mit den Wallace-Filmen groß geworden sind.

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„Die Kombination zweier eingespielter Teams hat hervorragend funktioniert“, sagt auch Producer Simon Happ. Wobei es zunächst schon darum ging, Berührungsängste abzubauen. „Viele der Comedians waren noch nie auf einem derartig großen Spielfilm-Set und die ständige Rundum-Betreuung vom Aufwachen bis zum Zubettgehen war wohl auch etwas gewöhnungsbedürftig“, so Happ. Doch waren alle Beteiligten laut Happ sehr diszipliniert, nur eines gab es dringend zu vermeiden: Sich als Nichtcomedian in eine Unterhaltung von Profikomikern einzumischen: „Bei jedem Witz, den du versuchst, wirst du vorgeführt“, so Happ, „die sind in Sachen Schlagfertigkeit nicht zu überbieten.“


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Der Spaß am Set kam also nicht zu kurz, auch wenn trotz der angesetzten 40 Drehtage das Drehpensum nur schwer zu bewältigen war, wie Hauptdarsteller und Creative Producer Oliver Kalkofe erzählt: „Wir hätten locker die doppelte Drehzeit vertragen können.“ Und Regisseur Baumann fügt hinzu: „Wir haben täglich bis zu 25 Einstellungen gedreht. Das funktionierte nur durch eine dezidierte Vorbereitung.“ Jeden Drehtag und jede einzelne Einstellung planten Baumann und Kameramann Gerhard Schirlo bis ins kleinste Detail: „Das ließ uns bei den Dreharbeiten sogar Zeit für Improvisationen und verhalf dem fertigen Film letztendlich zu einer sehr großen Lässigkeit“, so Baumann.


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England entsteht in der Tschechischen Republik

Das im Film schwarz-weiße britische Schloss ist in Wahrheit bunt und steht im Süden der Tschechischen Republik. Dort und in Prag wurden die komisch-unheimlichen Eingangsszenen von DER WIXXER sowie fast der gesamte Film gedreht. Der Grund dafür liegt für die Co-Produktionsgemeinschaft auf der Hand: Ein Budget von 4.7 Millionen Euro ist zwar für ein deutsches Filmprojekt ganz beträchtlich, für einen derartig aufwendigen Ausstattungsfilm mit einer Vielzahl hochwertiger Mitarbeiter vor und hinter der Kamera sicher nicht so hoch, um unendlich aus dem Vollen schöpfen zu können. So war Prag und Umgebung trotz inzwischen gestiegener Preise die erste Wahl der RATPACK-Filmcrew — dort ist nach wie vor das höchste production value in ganz Mitteleuropa zu bekommen. Und obendrein vom Firmensitz München aus noch sehr gemütlich zu erreichen. Zudem haben Produzent Christian Becker und Line Producer Simon Happ mit diversen anderen Produktionen wie „Ratten“ oder „Seven Days to Live“ schon hervorragende Erfahrungen mit den tschechischen Drehbedingungen machen können.

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„Wer viel bauen muss, kommt an der Tschechischen Republik nicht vorbei“, sind sich die Verantwortlichen bei RATPACK einig. Ganz abgesehen davon, dass in Deutschland nur äußerst schwierig eine derart umfangreiche Baubühnen-Crew zusammen gestellt werden könnte, bekommt man in Prag das Dreifache fürs Geld, rechnen Simon Happ und der fürs Szenenbild verantwortliche Matthias Müsse vor. Die von mehr als 100 Mann gebauten zehn verschiedenen Sets für DER WIXXER sind folglich auch äußerst beeindruckend: Gearbeitet wurde parallel in drei Studios, zudem wurde an Außenmotiven, wie dem Prager Hafen und im besagten Schloss, Veränderungen und Erweiterungen vorgenommen.

Neben Kerkergängen, einer Pathologie, der Hafenspelunke „Fishy Fingers“ und der riesigen Eingangshalle von Blackwhite Castle ist Müsse besonders stolz auf den Nachbau des Gefängnisses aus „Das Schweigen der Lämmer“. Dort gleicht jeder Stein dem berühmten Vorbild und am Ende des Ganges erwartet der Zuschauer auf alle Fälle Hannibal Lector und keineswegs…

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Unerlässlich bei einer Hommage an Edgar Wallace: Geheimgänge. „Hier ging es darum, die Grundidee weiter zu entwickeln“, sagt Müsse. So drehen sich in DER WIXXER zwar ganz konventionell Bücherregale, aber es verschwinden auch ganze offene Kamine.

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An den Sets in Prag wimmelt es nur so von allerlei obskuren Requisitendetails: ein Aquarium mit Piranhas, verschiedene Folterinstrumente, eine Tötungsmaschine und immer wieder Möpse. Die zieren Treppengeländer und den Schlossbrunnen, es gibt sie als Statuen und auf Schlachtengemälden und auch als lebendige Wesen: Auf Blackwhite Castle befindet sich eine traditionsreiche Mops-Zucht.


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Die Möpse haben zwar so gar nichts mit dem eigentlichen Kern der Geschichte zu tun, aber sie schauen bescheuert aus und sind doch irgendwie sympathisch — ein Charakterzug, den sie mit ihren menschlichen Mitstreitern im WIXXER gemein haben.