“Eine der besten Komödien zum Thema Mauerfall und dessen Folgen” Berliner Zeitung

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DVD Zimmerspringbrunnen

Schon in seinem ersten Spielfilm setzte sich der aus den neuen Bundesländern stammende Regisseur und Autor Peter Timm 1986 mit den Alltagswidrigkeiten in der DDR auseinander. Der Ernst-Lubitsch-Preis für die beste Komödie war der Lohn, und auch nach der Wende war Timm der erste, der die Wiedervereinigungseuphorie seiner ehemaligen Landsleute parodistisch aufs Korn nahm (Go, Trabi, Go).

Nach einem Jahrzehnt des Zusammenwachsens zieht er mit Der Zimmerspringbrunnen ein komödiantisches Resümee, bei dem vor allem der ehemalige Kabarettist Timm den Ton angibt. Der Film erzählt die Geschichte des Ex-Plattenbau-Wohnungsverwalters und jetzigen „Wende-Opfers“ Hinrich Lobek, der nach Jahren der Arbeitslosigkeit einen Job als Vertreter von Zimmerspringbrunnen annimmt.

Nachdem die von seinem West-Anleiter Strüver vorgegebenen Verkaufsstrategien im Osten nicht so recht fruchten, kreiert Lobek ein„Ostalgie“-Modell: Zur Melodie von „Auferstanden aus Ruinen“ erhebt sich der Ostberliner Fernsehturm aus einem See und beginnt zu sprudeln. „Atlantis“ wird zum Verkaufsschlager und Lobek zum Vertriebsleiter Ost ernannt.

Doch zuhause hängt der Ehesegen schief, weil seine Frau Julia, genervt von Hinrichs Zimmerspringbrunnen-Euphorie, zu ihrer Freundin Conny zieht und dem Werben ihres smarten Chefs zu erliegen droht. Als selbst das Versöhnungsessen am Heiligen Abend „ins Wasser fällt“, scheint das Happy End in weite Ferne zu rücken. Doch Hinrich setzt alles daran, seine Frau zurückzugewinnen.

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Wenn man den auf der großen Leinwand etwas spröde anmutenden Fernsehspielstil der Inszenierung mit seinen überwiegenden Nah- und Großaufnahmen erst einmal akzeptiert hat, kann man sich über die bissige Abrechnung mit dem Versprechen auf „blühende Landschaften“ herrlich amüsieren. Dabei zielt die Inszenierung genau auf jene noch immer nicht zusammengewachsenen Mentalitäten zwischen „Erst der Mensch, dann das „Produkt“ und „Nassforsch in die Zukunft“, die Timm jedoch beide nicht der Lächerlichkeit preis gibt.

Genau so ernst nimmt er seine Protagonisten in ihrem komödiantischen Spiel: Die Trainingsszene für Vertreter gehört zu den kabarettistischen Highlights des Films. Dass Timm der Brückenschlag zwischen privatem Drama und beruflicher Erfolgsstory so gut gelingt, liegt vor allem am jeden falschen Ton vermeidenden Drehbuch und an Hauptdarsteller Götz Schubert, der in seiner trottelig-verträumten Art manchmal an Tom Hanks erinnert, besonders wenn er den Haus und Hund hütenden Ehemann spielt. Aber auch Gustav Peter Wöhler versteht es, seinem etwas gröber angelegten Vertreter durchaus auch tragische Töne beizumischen: mit der tristen Aura der Einsamkeit im unwirtlichen Hotelzimmer, oder der nur mühsam kaschierten Enttäuschung, als er bei der Beförderung übergangen wird, gelingen ihm berührende Momenten im ansonsten heiterunterhaltsamen Geschehen.

Eine Überraschung sind der Comedy-Star Bastian Pastewka und die Kabarettistin Simone Solga, denen Peter Timm mit seiner präzisen Schauspielerführung zu einem vielversprechenden Leinwanddebüt verhilft. So entfaltet sich, unterstützt von einem lustvoll-persiflierenden Soundtrack, zwischen Plattenbauten, überdimensionalen Schrankwänden, braunen Aktentaschen, Strickjacken und ehemaligen Finkensportlern ein liebevoll-ironischer Blick zurück in die Gegenwart.

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