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WDR5, 05. Januar 2014 um 16:05 Uhr (Erstausstrahlung)

Von Bastian Pastewka Viele von Ihnen wissen es längst: ich bin ein großer Hörspielenthusiast und begeistere mich vor allem für die frühen Radioproduktionen der 1950er- und 60er-Jahre. Jetzt habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und selbst einen alten Stoff adaptiert: Der Hund der Baskervilles! Ich bin stolz, dass WDR 5 das Werk im Januar 2014 ausgestrahlt hat, so stolz, dass ich Ihnen „meinen Hund“ gern schon jetzt noch einmal ein wenig vorstellen möchte.

Foto: © Monika Nonnenmacher

Mit (v. l. n. r.) Gerhard Garbers (Watson), Viviane Koppelmann (Regieassistenz), Jochen Striebeck (Inspector Lestrade), Peter Jordan (Sir Henry), Debora Weigert (Beryl Stapleton), Robert Gallinowski (Jack Stapleton), Theresia Singer (Technische Realisation) und Frank Röth (Sherlock Holmes). Foto: © Monika Nonnenmacher

Worum geht es?

Vor 125 Jahren, im Jahre 1889, berichten die Londoner Zeitungen von einem mysteriösen Todesfall, der sich auf dem Sitz des Baronets Sir Charles Baskerville in Dartmoor zugetragen hat. Der Gutsherr starb in einer Gewitternacht vor den Toren seines Anwesens, die Gesichtszüge von Furcht entstellt, doch ohne eine Verletzung am Körper.

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Trailer

Drei Monate später sucht der Arzt Dr. James Mortimer den berühmten Detektiv Sherlock Holmes und dessen treuen Gefährten Dr. John Watson auf und berichtet ihnen aus der tragischen Familien-Chronik der Baskervilles: offenbar sind schon Sir Charles‘ Vorfahren zu Opfern ungeklärter Todesfälle geworden, und damit eines schrecklichen Hunde-Dämons, der nachts über das Moor schleicht und die Baskervilles heimsucht.
Auf der Suche nach dem schrecklichen Hund gerät nicht nur der jüngste Baskerville Sir Henry in tödliche Gefahr, auch Sherlock Holmes wird an die Grenzen seiner wissenschaftlichen Deduktionen gelangen.
„Der Hund der Baskervilles“ wurde Conan Doyles erste Holmes-Geschichte nach dessen Ableben in den Reichenbach-Fällen, dem Triumph seines ewigen Widersachers Professor Moriarty. Die Leserschaft hatte damals protestiert, Sherlock Holmes durfte nicht sterben, und darum drehte Conan Doyle das Rad seiner Geschichten zurück und ließ den schon weltbekannten Detektiv einen mysteriösen Fall im englischen Dartmoor lösen. Und eben der sollte zum Klassiker der Kriminalliteratur werden.

Die neue zweistündige Hörspiel-Version

Mein „Der Hund der Baskervilles“ folgt Arthur Conan Doyles epochalem Roman. Ich habe den Stoff adaptiert und durfte ihn auch inszenieren.

Der Hund der Baskervilles - (Sherlock Holmes mit Regisseur Bastian Pastewka. Foto:

Der Hund der Baskervilles – Frank Röth (Sherlock Holmes) mit Regisseur Bastian Pastewka. Foto: © Monika Nonnenmacher

Neben vielen anderen hören Sie in den Hauptrollen Frank Röth, Gerhard Garbers, Robert Gallinowski, Thomas Kügel, Debora Weigert, Peter Jordan und Walter Renneisen.

Unser Radio-Schauspiel „Der Hund der Baskervilles“ erzählt Conan Doyles Schauergeschichte detailverliebt nach.

Der Mystery-Klassiker ist ideal für das Medium Hörspiel …

… denn die Gestalt des Hundes der Phantasie der Hörer und Hörerinnen vorbehalten ist. Zugleich wurde der Stoff ja dutzendfach verfilmt, aber nahezu jede Interpretation machte aus dem Hund ein übernatürliches Fabelwesen: In den frühen Filmen schlichen grunzende Fellwölfe mit elektrischen Augäpfeln durch den Morast, während dünner Trockeneis-Nebel durch ein Dartmoor aus Pappmaschee waberte. Und auch in den Zeiten der Digitaleffekte blieb der Hund ein schattenhaftes CGI-Monster aus einer anderen Welt, während die Motive des höchst menschlichen Schurken meist im Dunkeln blieben.

Die Hunde von Baskerville - Originalillustration zur Erstausgabe von Sidney Edward Paget.

Der Hund der Baskervilles – nach einer Originalillustration zur Erstausgabe von Sidney Edward Paget.

Doch viel interessanter als das Untier schien mir der Faktor, dass „Der Hund der Baskervilles“ wie fast alle Abenteuer des großen Holmes von seinem Chronisten Dr. Watson erzählt wird.

Also stellt sich die Frage: Was wissen wir eigentlich von jenem scharfsinnigen Sherlock Holmes aus der Baker Street 221 b? Oder anders gefragt: wissen wir eigentlich mehr von ihm, als das, was uns Watson in seinen Memoiren hinterlassen hat? Im „Hund der Baskervilles“ ist es Watson, der sich allein nach Dartmoor begibt, um das Rätsel des Familienfluchs zu lösen, während Holmes zunächst in London bleibt. Doch warum bleibt der sagenhafte Detektiv ausgerechnet in seinem bekanntesten Fall lange so unsichtbar wie der sagenumwobende Hund?

Dieser zentralen Frage folgen wir in unserer neuen „Baskerville“-Fassung und verbeugen uns zugleich vor Conan Doyles einzigartigem Meisterwerk.